Premiere auf dem Fehn: Erste Berufsorientierung mit EIBO
HWK-Präsident Albert Lienemann: Eine tolle Ergänzung zu der Arbeit der Kammern / Einsatz für duale Ausbildung vorbildlich

Großefehn/Ihlow. Mit 160 Schülerinnen und Schülern erlebte die Aktion zur Berufsorientierung und gegen Facharbeitermangel des Vereins EIBO an der KGS Großefehn am Dienstag und Mittwoch letzter Woche eine kraftvolle Premiere. Dank der guten Vernetzung des Vereins mit der heimischen Wirtschaft standen den 8-Klässlern dabei insgesamt 27 Betriebe zur Auswahl, die in insgesamt 48 Berufen ausbilden.

Wie bei EIBO üblich, konnten die Schülerinnen und Schüler zwei Wunschberufe auswählen und bekamen - in Abstimmung mit dem Fachbereichsleiter - einen dritten Betrieb dazu gesetzt, z.B. typische "Männerberufe" für die Mädchen oder handwerkliche und technische Berufe für Schüler, deren Interesse ansonsten eher im sozialen Bereich lag. Damit solle ihnen die Möglichkeit eröffnet werden, über den Tellerrand zu blicken und ihre bisherige Berufswahl noch einmal zu hinterfragen.

Die EIBO Aktion lehnt sich an die von der Bundesregierung, den Ländern, der Agentur für Arbeit, den Arbeitgeberorganisationen sowie den Kammern vereinbarten Partnerschaft "Berufswegeplan ist Lebensplanung" an.

Bei der TS-Aluminium-Profilsysteme GmbH & Co. KG erläuterte Prokurist Gerhard Schütz die sechs von dem Unternehmen angebotenen Ausbildungsberufe mit ihren vielfältigen Qualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten in Vollzeit oder auch berufsbegleitend. Schlechte Schulnoten seien nicht unbedingt ein Hindernis, sagte Schütz, durch großes Engagement in einem Betriebspraktikum könne man noch einiges ausgleichen.

Fachbereichsleiter Gert-Mimke Köllmann von der KGS Großefehn konnte dies nur unterstreichen. Leider würde seitens der Schüler das Angebot des Schulpraktikums "oft verschenkt", weil sie den Platz nicht nach Neigungen und Berufswünschen, sondern nach Faktoren wie Nähe zum Elternhaus, Arbeitsstelle des Vaters, Onkels, etc. aussuchten.


Betriebsinhaber Hermann Krüger erklärt die Sicherungs- und Schaltelemente zur Verteilung von elektrischer Energie, die in einem Verteilerkasten untergebracht sind.

Auch Hermann Krüger, Inhaber von Krüger Elektrotechnik in Mittegroßefehn, legte den Schülergruppen bei ihren Betriebsbesuchen nahe, in erster Linie auf eine gute schulische Ausbildung zu achten. Eine sich anschließende fundierte Berufsausbildung sei dann die Basis für das weitere Berufsleben.

Die in seinem Unternehmen angebotenen Berufsfelder Elektroniker der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik sowie Büromanagement (früher: Bürokaufmann/-frau) stünden zwar auch Hauptschülern offen, wegen der komplexen Technik würden aber Realschüler und Abiturienten bevorzugt.

Hermann Krüger, der auch Vorsitzender des Vereins der Betriebswirte des Handwerks Ostfriesland ist, unterstützt die Aktivitäten des Vereins EIBO von Anfang an. Die Fehntjer KGS-Schüler hätten dadurch das große Glück, im 8. Schuljahr gleich drei Betriebe von innen kennenzulernen. Er würde sich freuen, wenn sich daraus im Anschluss Praktikanten bei ihm melden würden oder später sogar Auszubildende. Die Chance, nach einer Lehre auch übernommen zu werden, liege heute fast bei 100 Prozent.

Albert Lienemann, Inhaber des Sanitärfachgeschäftes "Lienemann - Die Badgestalter" in Holtrop und Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland, konnte mehrere Schülergruppen in seinen Räumen begrüßen. Sie bekamen einen Imagefilm und eine PowerPoint-Präsentation über den Beruf Anlagenmechaniker gezeigt, in denen Dauer, Gliederung, duale Ausbildung und Berufsschule dargestellt wurden. Ein Rundgang durch die Badausstellung rundete den Besuch ab. Zudem gab es durch einen Auszubildenden des Betriebes weitere Informationen. Lienemann bildet Anlagenmechaniker in der Fachrichtung Gas- und Wasserinstallation sowie Bürokaufleute aus und hat derzeit drei Lehrlinge, ab Sommer dann vier.

Als Firmenchef nannte Albert Lienemann die EIBO-Aktion "eine supertolle Geschichte"; den Schülerinnen und Schülern würden Berührungsängste mit dem Handwerk genommen, auch wenn die 8-Klässler natürlich eher schüchtern und zurückhaltend seien. Und als Handwerkskammer-Präsident lobte er den Einsatz des Vereins EIBO für die gewerblich-technischen Berufe und für die duale Ausbildung. Die Aktionen seien von einer perfekten Planung und Ausführung gekennzeichnet; das könne die Handwerkskammer so nicht leisten; insofern könne man hier von einer tollen Ergänzung sprechen.

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